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9. Tag Agde - Béziers : 30 km
               
 

Heute ist unser letzter Tag der Radreise! (*seufz*) Es geht zum Schluss noch einmal am Canal du Midi entlang bis Béziers und wir fühlen uns an unsere Sommertour erinnert. Damals waren wir am Canal bis Carcassonne gekommen.

In Béziers ist es bedeckt, windig und kühl und nicht besonders einladend, um draussen Mittag zu essen. Wir tun es trotzdem, schieben dann wie die Weltmeister unsere bepackten Räder den Berg zur City hoch, irren ein bisschen desolat durch die Gegend um die Mittagszeit zu überbrücken und fahren schliesslich zum Bahnhof zur Autovermietung, weil wir schon heute nach Tain fahren wollen. Der nächste Campingplatz liegt ziemlich weit außerhalb und so wollen wir uns das relativ sinnlose Hin- und Herfahren ersparen. Inzwischen haben wir auch keine rechte Ruhe und Muße mehr für eine Stadtbesichtigung - schade! - Nächstes Mal!

Also dann ab in die Autovermietung.  Ja, ein Auto ist da. Aber nicht das bestellte Modell. Fahrräder? Keine Ahnung, ob die hinein passen! Nein-Radträger haben wir nicht! Erst einmal alle Ausweise zeigen! Wegen der Daten und Nummern. Ach ja - und dann wäre da noch die Kaution! Kein Thema - haben wir dabei! (Rudi holt ein dickes Bündel Euroscheine aus der Tasche) Non, non, monsieur - das geht nur mit Kreditkarte! Bargeld dürfen wir nicht nehmen! Ohne Kreditkarte kein Auto - da geht nix! Und so standen da zwei alte fortschrittfeindliche Leute ohne Kreditkarte am Tresen und guckten in die Röhre...(mit 1500€ in der Hand, die aber quasi nichts Wert waren!)
Übrigens: das gerade Beschriebene zog sich in Wirklichkeit über fast eine Stunde hin!

Also geht es nebenan in den Bahnhof. Nun müssen wir doch mit dem Zug fahren!

TGV? Nimmt keine Räder mit. Höchstens in Spezialverpackung. Aber es gibt ja auch andere Züge, die Räder mitnehmen. Rudi steht ca. 20 Minuten um eine Fahrplanauskunft an (der Computer hat Tain als Bahnstation nicht gefunden, also sollen wir mit einem Mal Umsteigen in Avignon bis Valence fahren) Dann kauft er die Tickets für den empfohlenen Zug (16.10 Uhr - 67,20 € für 2 Personen und 2 Räder).

Es bleibt noch etwas Zeit, bis der Zug kommt, und so lesen wir ein bisschen und gucken immer wieder auf die Anzeigetafel. Unser Zug steht noch nicht drauf. Und plötzlich steht ein späterer Zug drauf -  unserer erscheint gar nicht! Also zurück zur Auskunft. "Wieso hat Ihnen meine Kollegin denn Tickets für diesen Zug verkauft? Der fährt heute doch gar nicht! - Es wird doch in Narbonne gestreikt! Nein - Sie müssen einen anderen Zug nehmen! (17.29 Uhr) Also noch einmal knapp 1,5 Stunden warten!

Kurz bevor der Zug kommt, beschäftigt uns die Frage: Wo lädt man denn die Räder ein?

Das Bahnpersonal stellt sich als äußerst kreativ heraus: "Ganz vorne!" - "Ganz hinten!" - "Das steht auf dem Wagen!"  Sehr lustig! Vor allem, wenn man zusammen 13 Taschen und 2 Räder hat und der Bahnsteig reichlich voll ist!

Aber irgendwie gelangen wir dann doch in den Zug und alles ist gut. Beim Einladen haben uns noch einige mitfühlende Mitreisende geholfen. Als der freundliche Schaffner dann kommt, heißt es "Die Räder dürfen da nicht stehen bleiben. In Montpelier bringen Sie die Räder bitte in den Gepäckwagen!". Das geht dann auch sehr gut, weil der Zug 15 Minuten Aufenthalt hat. Aha! Solche Züge haben Gepäckwagen! Gut zu wissen!

Umsteigen in Avignon. Auf welchem Gleis fährt der Anschlusszug ab? Es gibt keinen Aufzug, also wäre es schon schön, zu wissen, ob man auf einen anderen Bahnsteig muss. "Das kann ich noch nicht sagen - das weiß man immer erst 20 Minuten vorher!" meint die nette Bahnbeamtin. Also bleiben wir erst einmal auf dem Ankunftsbahnsteig und ich besorge etwas zu essen.

Auf diesem Ankunftsbahnsteig gibt es eine Anzeigetafel, die besagt: "Valence - 50min Verspätung" - darunter klein und irgendwie widersprüchlich: "Zug endet hier". Hmm. Immerhin: diesen Zug zu nehmen würde uns etwa 30 Minuten Warten ersparen. Also laufe ich zur Information und frage, ob ich diesen Zug nach Valence nehmen kann.

"Ja, ja, den Zug können Sie nehmen! Der kommt gleich!" meinte die junge Frau am Schalter. Ich rase also zurück, überbringe Bille die frohe Botschaft und schon läuft der Zug ein. Ganz leer! Viieeell Platz für Gepäck und Räder! Nach ein paar Minuten schliessen sich die Türen und es geht los! Bille: "Ähh - fahren wir nicht in die falsche Richtung?" Rudi (fachmännisch): "Es gibt ja so etwas wie Kopfbahnhöfe oder umständliche Streckenführungen! Das wird schon stimmen!"

Der Zug fährt ziemlich langsam. "Kein Wunder, dass der 50 min Verspätung hat!" Dann bleibt er ganz stehen. Wahrscheinlich ein rotes Signal... Inzwischen sind wir frohen Mutes, beglückwünschen uns, dass wir Zeit gespart haben, dass wir alles gut überstanden haben (in Valence müssen wir ja nur noch ausladen) und beißen genüsslich in das belegte Baguette! Geschafft!

Da klopft es von außen an die Fensterscheibe. Es ist inzwischen fast halb neun und schon stockdunkel. Ein Bahnbeamter (der Lokführer) kommt herein und fragt, was wir denn hier machen. Der Zug sei doch hier zu Ende! Wir sollen sofort aussteigen! 

Das ist ja eine Überraschung! Und der Lokführer staunt nicht schlecht, als er unsere 13 Taschen und die zwei Räder sieht! Egal - alles raus aus dem Zug auf einen schmalen Asphaltstreifen zwischen den Gleisen, etwa 1 km vom Bahnhof entfernt. Was tun? (Bille fängt schon hektisch an, die Räder zu bepacken, um zum Bahnhof zurück zu schieben) Aber wir sollen uns nicht von der Stelle rühren! Über Funk wird eine Rangierlok geordert, die uns mit unseren Habseligkeiten zurück zum Bahnhof bringen soll.

Ein paar Minuten später ist die Lok da, wir laden auf und man fährt uns zurück zum Bahnhof, wo die etwas verwirrten anderen Fahrgäste auf dem Bahnsteig ziemlich ungläubig und spöttisch gucken.

Aber alle sind sehr nett und ich fand die Fahrt mit der Rangierlok ganz lustig (im Gegensatz zu Bille). Manch einer mag uns um eine solche Spezialfahrt beneiden.

Ach ja - auf dem anderen Gleis lief gerade unser planmäßige Zug nach Valence ein! Also nix wie hin!  Gegen 22.00 Uhr kommen wir dann endlich in Valence an, fahren souverän den Weg zum Campingplatz - und schlafen wieder auf "unserem alten Platz"!

Jetzt hätten wir nur noch gerne ein kühles Bier, aber die Lokale sind alle schon zu!


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