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4. Tag Pont Saint Esprit - Avignon : 58 km
               
 

Der Mistral hat den Himmel blitzblank geputzt, aber es ist morgens noch recht frisch. Kein Wunder, der Mistral ist ja bekanntlich ein kalter Wind! Da wir unserem Glück nicht ganz trauen, kaufen wir die lokale Zeitung La Provence um den météo für die nächsten Tage zu studieren: Mistral et soleil , ciel voilé, beau temps, largement ensoleillé (Vorhersage für Sonntag und Montag!), selbst für Dienstag steht da: Le beau temps se maintient mardi: Unsere Französischkenntnisse reichen aus, um diese guten Voraussagen zu verstehen!

Nachdem wir uns mit Proviant versorgt haben, geht es aus dem herrlich gelegenen Pont St. Esprit hinaus in die Weinberge. An einem Weingut sehen wir, dass die Trauben zwar schon geerntet sind, aber auf dem Boden liegen? Warum? Keine Ahnung, aber man kann interessante Bilder machen!

Danach geht es eine Zeitlang zeimlich nah an der Rhône entlang. Man sieht das ein oder andere nett gelegene Dörfchen in den Weinbergen. Der Mistral schiebt ordentlich von hinten.Doch obwohl dies eine eher kleine Straße ist, gibt es reichlich LKW-Verkehr, was nicht so angenehm ist! Auch wenn die LKWs mit reichlich Abstand an uns vorbei fahren, so ist doch der Sog, der durch ihre Geschwindigkeit entsteht, ziemlich heftig. Bald wird uns klar, warum auf dieser kleinen Straße so viel Schwerverkehr ist: er geht zum Centre atomique de Marcoule. Dies Anlage ist hochsicherheitsmäßig umzäunt, man will gar nicht wissen, was da so gemacht wird! Ein Kraftwerk ist es nicht, eher eine Anreicherungsanlage oder so.

Doch dann können wir die Rhône wieder überqueren und gelangen nach Caderousse. Dieser Ort ist von einer Stadtmauer umgeben und offensichtlich gibt es nur zwei Aus- bzw. Eingänge.
Es ist mal wieder Mittagszeit und wir suchen einen netten Platz zum Picknicken. Gar nicht so einfach - aber das ist es bei uns ja nie! Sonnig soll er sein, windgeschützt auch und ein bisschen idyllisch! Etwas Sonne gab es, ganz windgeschützt war er nicht, man musste alles festhalten oder mit etwas beschweren - Mistral - aber es gab eine Bank. Was will man mehr.

Nach der Mittagspause geht es bald wieder auf die andere Seite des Flusses und wir kommen nach Roquemaure, das wir aber nur streifen. Von ferne sehen wir eine kleine Gruppe Radler, die unglaublich bepackt zu sein scheinen. Bisher haben wir auf unserer Tour kaum Reiseradler getroffen.

Wir kämpfen mal wieder mit der Beschreibung unserer Route, das liegt aber nur daran, dass man hier kürzlich eine Umgehungsstraße gebaut hat, aber wir treffen bald wieder auf die beschriebene Straße. Dann verpassen wir etwas später auch erstmal die richtige Abbiegung, da die Beschreibung aber letztendlich doch sehr genau ist, finden wir den wunderbaren Weg durch Obst- und Gemüsegärten und Wiesen beim zweiten Versuch. Dieser Weg führt uns ca. 10 km verkehrsarm Richtung Avignon. Herrlich!

Wir fahren über die Ile de la Barthelasse, auf der es etliche Campings gibt, aber die sind entweder geschlossen oder sie liegen zu weit von der Stadt entfernt. An einer Info-Tafel suchen wir uns die Telefonnummer von weiter in der Stadt gelegenen Campingplätzen und Rudi ruft dort an, um einen offenen PLatz zu finden. So ein Handy ist doch sehr praktisch.

Als wir dann kurz vor dem angegebenen Campingplatz auf die Straße Richtung Avignion-Centre einbiegen, verschlägt es uns fast den Atem: In der Nachmittagssonne liegt plötzlich die Stadt vor uns, mit dem Papstpalast, der berühmten Brücke und der Stadtmauer! Und im Hintergrund der Mont Ventoux. Ein traumhafter Anblick! Ursprünglich wollten wir Avignon eher links liegen lassen, wir waren früher schon mal dort - fanden es damals langweilig - aber dieses Mal hat es uns sehr gut gefallen. Wir kannten Avignon bisher nur im Frühjahr, als Ziel bei schlechterem Wetter, bei dem man nicht wandern geht - aber nun, bei dieser herrlichen Beleuchtung und dem Leben überall, ohne Hektik, war Avignon genauso schön wie Aix en Provence, das wir auch sehr lieben.

Herrliche Beleuchtung: ja, da muss man Fotos machen! Du, jetzt ist es schön. Nein, jetzt noch schöner, und nachher, wenn der Abend beginnt, die Sonne untergeht, der Mond aufgeht, die Lichter der Stadt angehen! Mannomann! Welch ein Stress, damit man ja nicht das beste Foto verpasst! Nach der ersten Fotoserie gehen wir erstmal im Ort auf einem Platz einen Kaffee trinken und betrachten das quirlige Treiben von Studenten, Touristen...

Die bepackte Radlergruppe von heute Mittag ist auch in Avignon: auf einem der Plätze wollen sie etwas vorführen, haben schon alles aufgebaut, sich wohl Strom von einem Café besorgt, aber als wir dort vorbei kommen, fordern Ordnungshüter sie gerade auf, alles wieder zusammen zu packen. Solch eine Gruppe "Fahrendes Jungvolk mit Rastalocken" passt wohl nicht in das Stadtbild!

Abends sitzen wir noch lange auf einer Bank am Rhôneufer und genießen convenience food: fertig abgepackten Salat, Knackis, Käse und Rotwein. Leben wie Gott in Frankreich! Und dabei gab es die zweite Fotoserie: Avignon bei Nacht! Da waren wir übrigens nicht die einzigen!
Auf dem Campingplatz, der praktischerweise genau gegenüber der Stadt liegt, gibt es einige Menschen, die hier ihren ständigen Wohnsitz haben - im Zelt! Das sehen wir häufug auch auf anderen Plätzen, die wir besuchen. Man wird nachdenklich!

Einer davon hat sein Zelt gegenüber von unserem stehen und ist sehr kommunkationsfreudig. Was sich darin äußert, dass man sich dort recht lange und auch laut bei der ein oder anderen Flasche Rotwein unterhält...


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