Einleitung 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag 9. Tag Fazit
 
5. Tag Avignon - Arles : 52 km
               
 

Wir frühstücken im Bistrot, das zum Campingplatz gehört. Es hat etwas den Charme von alten Jugendherbergen. Eine Jugendherberge gibt es übrigens auf dem Platz auch und die Schüler einer Oberstufenabschlussfahrt lungern vor dem Bistrot herum und warten auf ihre Heimfahrt. 

Heute fahren wir bis Arles, das ich mir noch einmal angucken wollte, nachdem wir vor ungefähr 10 Jahren bei unserem ersten Provence-Urlaub nur ganz kurz hier waren ... damals war ich über den Campingplatz dort entsetzt und wir sind deshalb ziemlich schnell wieder geflohen. Na ja, wahrscheinlich fänd ich den heute gar nicht mehr soooo entsetzlich, man lernt ja dazu. Wir haben inzwischen schon alle möglichen Qualitätsbeispiele von Campingplätzen gesehen.

Das Wetter ist super heute, die Sonne scheint und im Laufe des Tages wird es immer wärmer, geradezu sommerliche Temperaturen herrschen am Nachmittag.

Besonders aufregend ist die Landschaft heute nicht, aber manche Passagen sind recht beschaulich. Wir fahren an Schilfflächen vorbei, es gibt Pinien und dort riecht die Luft wie in den Landes, an der Atlantikküste. Dann wieder sieht man Obstplantagen, deren Bäume sich vor dem blitzblank geputzten blauen Himmel leicht herbstlich färben. Auf der Straße herrscht kaum Verkehr - was will man mehr!

In Vallabrègues kaufen wir für unsere Mittagsrast ein. Es ist ein kleines verschlafenes Städtchen mit alter Bausubstanz. Wo gibt es denn etwas zu kaufen? Leichte Panik breitet sich aus, denn es ist kurz vor Mittag und der nächste Ort wäre erst Arles. Und Wasser brauchen wir auch! Als wir so etwas wie ein Geschäft finden, sind wir ganz froh - aber die Auswahl der angebotenen Ware ist mehr als übersichtlich. Nachdem wir uns dort eher notdürftig, dafür aber teuer versorgt haben, sehen wir ein kleines Stückchen weiter noch ein Geschäft, das eher ein normales ausreichendes Angebot hat, na ja, dort holen wir noch die unvermeidlichen Knackis und als Schmankerl ein Tütchen schwarze Oliven.

Wir haben zunächst Tarascon als Ort für die Mittagspause auserkoren. Als wir dort ankommen werden gerade die Reste des Marktes zusammengekehrt und wir finden keinen uns genehmen, idyllischen Platz für das Picknick. Eigentlich ist das ein ganz netter Ort mit Burg und Kirche, doch gerade jetzt nicht so anheimelnd. Wahrscheinlich ist das im Sommer und dann abends ganz anders.

Wir fahren also über die Brücke nach Beaucaire. Dort pulsiert das pralle Leben am Hafen, der voller Freizeitboote ist. Kein Wunder, hier ist die Verbindungsstelle des Kanals zwischen Rhône und Sète und der Rhône. Auf diesem Kanal gelangt man bis zum Canal du midi, dann in den Canal latéral de la Garonne und somit bis zum Atlantik.

Inzwischen ist es so warm, dass wir Schatten suchen. Wir finden ihn an einem kleinen Platz mit Brunnen unter Platanen. Dort leisten uns zunächst etliche orientalische Männer Gesellschaft, verschwinden aber dann einer nach dem anderern - Rudi meint, wahrscheinlich müssten sie jetzt alle nach Hause, weil das Mittagessen fertig ist!

Derweil sitzen die Bootsbesitzer in den gut gefüllten Lokalen entlang des Hafens und tafeln dort.
Wir kommen am frühen Nachmittag in Arles an und erkundigen uns dbei der Tourist-Info nach offenen Campingplätzen. Es gibt zwei und wir nehmen den näher gelegenen, der liegt ca. 3 km Richtung Pont de Crau. Wir beschließen, erst einmal das zelt aufzubauen, uns frisch zu machen und dann noch einmal in die Stadt zu fahren.

Der Weg zum Camping dient noch einmal der Abhärtung in Sachen Vekehrserfahrung: da in dieser Richtung wohl auch Supermärkte liegen, gibt es viel Verkehr und als Sahnehäubchen einen Riesen-Kreisverkehr mit mehreren Spuren! Und wir mit unseren Rädern mittendrin!
Außerdem dürfen wir dabei noch ein wenig bergan fahren. Dabei kommen wir an dem oben erwähnten Campinplatz von damals vorbei, aber der ist sowieso schon fermé. Der von uns augewählte Platz macht eigentlich einen angenehmen, normalen Eindruck. Na bitte! Wir melden uns an und dabei fällt Rudis Blick auf ein Schild: Anti-Moustique -  10 €! "Das ist ja Wucher!" meint Rudi, "das kaufen wir hier bestimmt nicht, im Ort ist das bestimmt billiger."

Auf die Frage, ob es denn überhaupt Mücken gäbe, sagt der Patron, es wären nicht mehr so viele wie im Sommer , aber es gäb schon einige! Na gut, für einige haben wir ja Autan als "Waffe" mit.
Wir suchen uns also einen Standplatz aus - innerhalb von Sekunden umschwirren mich viele kleine Mücken! "Rudi, dahinten sind nicht so viele..." Wir setzen also das Zelt ein Stückchen weiter.... Schon wieder kommt der Mückenangriff, und das, obwohl ich all meine blanken Hautstellen an Beinen und Armen usw. mit Autan eingeschmiert habe! Ich kann es kaum noch ertragen (zugegebenermaßen neige ich da auch ein wenig zu Hysterie)  Aber: man stelle sich vor: diese kleinen Biester schrecken vor nichts zurück und stechen munter durch die Kleidung durch! Da ich mich beim Aufbauen und Auspacken oft bücken muss, finden die Biester eine schöne breite Angriffsfläche: meinen Hintern! Das scheinen sie sich nicht zweimal sagen zu lassen: Rudi zählte hinterher mindestens 20 (in Worten: zwanzig!!!) Mückenstiche auf meinem Allerwertesten! Und davon hatte ich einige Tage etwas: immer wenn ich wieder auf dem Rad sitze und in die Pedalen trete, reibt mein Raddress munter über die sowieso übel juckenden Stellen!

Im Übrigen hat Rudi dann ohne zu zögern ganz schnell eine Flasche des oben erwähnten Anti-Moustique für 10 Euro gekauft! Wir haben uns dann mit diesem Zeug nach dem Duschen eine Ganzkörperanwendung gegeben - vorsichtshalber später auch noch mal auf die Klamotten drauf! Dann war es ertragbar - für einige Zeit! Dann mussten wir "nachbehandeln"! Auch die Zelteingänge (beliebte Mückensitzplätze) wurden eingesprüht!

Nach dieser Erfahrung ist die Vorstellung, dass wir uns auf dem Platz inmitten von angriffslustigen Mücken etwas kochen sollen, nicht mehr so prickelnd und wir fahren erst einmal wieder nach Arles. Dort gehen wir einen Kaffee trinken und treiben uns noch etwas in der Stadt herum... Schließlich beschließen wir, uns mit einem Fertig-Salat und einer Flasche Rotwein ins Zelt zurückzuziehen. Das ist dann auch sehr gemütlich und mückenfrei!

Auf jeden Fall weiß ich: nach Arles muss ich nicht noch einmal! Es liegt nun mal in der Camargue!


Einleitung 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag 9. Tag Fazit