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Im Eisack- und Pustertal 1. Innsbruck-Brenner (Zug: 13,60 Euro mit Freizeitkarte) - Sterzing-Vahrner See (54,6km)
               
 

Man hat für heute ca. 35 Grad angesagt, also wollen wir auf jeden Fall den frühen Zug um 8.53 Uhr zum Brenner bekommen. Nach einer schlechten Nacht (zuviel gegessen, zu warm...) schälen wir uns um 6.00 Uhr aus dem Zelt und packen in einer guten Zeit. Man bekommt immer mehr Routine!

Nach Innsbruck sind es ca. 9 km immer am Inn entlang und wir kommen so früh am Bahnhof an, dass wir noch in aller Ruhe dort frühstücken, die Tickets kaufen und auf den Bahnsteig gehen können. Der Zug wird in Innsbruck eingesetzt und so können wir auch früh in aller Ruhe einsteigen und die Räder verstauen. Was sowieso recht einfach ist, es handelt sich um einen Talent-Zug, wie wir ihn von zu Hause kennen, mit dem praktischen, niedrigen Einstieg.
Es wird eine unterhaltsame Fahrt, denn im Abteil sitzen noch zwei andere radelnde Paare: ein junges Pärchen aus Deutschland, das mit Mountainbikes unterwegs ist und ein Paar in eher gesetztem, also in unserem Alter aus Neuseeland. Die sind auf Alpen-Tour mit Rädern, die sie hier in Europa extra nur zu diesem Zweck gekauft haben. Lustige Typen. Man tauscht sich über Erfahrungen und Kenntnisse aus - die jungen Leute waren schon in Neuseeland: Wo? Wie lange? Was kennt ihr? Habt ihr auch das gesehen? Und, und, und. Andererseits: Was lohnt sich hier in den Alpen anzugucken? Möglichst nur bergab? Gibt es Zugverbindungen? Zeigt mal eure Karte! Wo wollt ihr hin? Wo kommt ihr her? .... Dabei immer eine launige Bemerkung dazwischen, man hat kaum Zeit das vorüberziehende Wipptal anzugucken, an das ich mich von meinen Ferienaufenthalten in der Kindheit so gerne erinnere. Diese Begegnungen sind das Salz in der Suppe bei unseren Reisen mit dem Fahrrad - wie war das noch in Solothurn: Radfahren = Langsamverkehr! Genau, das ist es, Langsamverkehr, den aber intensiv!
Am Brenner wird sich noch gegen die Sonne eingecremt und dann geht es ab! Wirklich: es geht ab, und wie. Bis Sterzing/Vipiteno rollen wir auf der alten Brennerstrasse 14 km nur bergab, und das zum Teil mit irrem Gefälle. Rudi lässt sich rollen und erreicht 60 km/h, die etwas ängstlichere Bille erreicht "nur" 42 km/h!
Sterzing am Sonntagvormittag hat in unseren Augen mehr Flair als Innsbruck gestern. Aber wir lassen es schnell hinter uns, ich kenne Sterzing eben auch noch aus alten Kindertagen und die Hitze wird nicht weniger!
Nun beginnt der Eisacktal-Radweg. Auch brandneu und durchgehend asphaltiert, ohne Autoverkehr, gut beschildert, liebevolle Streckenführung. Es ist nicht ganz einfach, den Einstieg zu finden, aber danach kann man sich nicht mehr verfahren.

Was uns allerdings zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass der Radweg doch immer wieder rauf und runter geht, und zwar kräftig! (12 % und 15 % sind keine Seltenheit). Und das, obwohl es im Eisacktal ja eigentlich nurl abwärts geht!

Anfangs klappt es noch ganz gut, aber mit zunehmender Kilometerzahl schwinden die Kräfte und die Moral - ob man doch das ein oder andere zu Hause lassen sollte? Ach, und ich vergaß, es gibt noch heftigen Gegenwind dazu!.
Das, was im bikeline-Führer als Variante zum Vahrner See angeführt ist, ist inzwischen die normale Streckenführung. Wir machen an diesem Privat-Biotop mit Gasthof und Campingplatz für heute Schluss. Es ist nicht ganz einfach, dort ein ebenes Plätzchen für unser Zelt zu finden. Abends genießen wir dann die wirklich nette Atmosphäre in dem zugehörigen Gasthof, der offenbar guten Zuspruch von Stammgästen aus nah und fern erfährt.

Übernachtung: Camping Zum Vahrner See, 15 Euro, ziemlich einfache Sanitärs, keine Einkaufsmöglichkeit, aber Gasthof.

 

Im Eisack- und Pustertal 2. Vahrner See - Bruneck - Toblach (Zugtransfer) - Niederndorf (41,7 km)
               
 

6.00 Uhr Wecker, einpacken, spartanisches Frühstück (trockenes Brot von Vorgestern, Wasser und Frühstücksfleisch) und los. Mir ist klar, dass der Einstieg in das Pustertal nicht ganz ohne Anstrengung vonstatten gehen wird. Wir fahren ca. 6 km bergauf, ehe es nach Mühlbach hinab geht. Auch dieser Pustertal-Radweg ist brandneu, asphaltiert, super ausgeschildert und ohne Autoverkehr angelegt. Nur der Einstieg ist nicht ganz leicht. Wir fahren zunächst ein Stück auf der Hauptstraße in das Pustertal und sehen den ersten Hinweis, eine braune Tafel, an der ersten Tankstelle an dieser Hauptstraße an der Mauer rechts. Danach kann man sich nicht mehr verfahren.
Hinter dem niedlichen Ort Mühlbach geht es zunächst leicht wellig, später auch mit kräftigeren Steigungen und Gefällen durch Wald- und Wiesenflächen. Es gibt dadurch auch immer wieder Schatten. Eigentlich sehr schön.

Wäre ich ein Profi-Fahrer, müsste ich aber heute sagen:"Ich habe heute schlechte Beine." Wir dachten, dass wir die paar Kilometer bis Bruneck schnell schaffen würden, aber daraus wird nichts. Ich glaube, dass ich heute die Hälfte der Strecke gelaufen bin, das heißt also, geschoben habe.
Trotzdem kommen wir kurz vor Mittag in Bruneck an, na also, das wäre doch gelacht! Bruneck habe ich einmal kurz im Winter erlebt, da konnte man nicht viel vom Flair der Stadt spüren. Aber heute ist das ganz anders. Es herrscht eine nette, quirlige, aber doch noch gemütliche Atmosphäre und wir steuern zielstrebig ein Eiscafé an und genehmigen uns einen Riesen-Joghurt-Frucht-Eisbecher! Den haben wir uns verdient!
Es gibt eine Menge Leute mit Radbekleidung, aber wir fallen mit unserem vollen Gepäck doch etwas auf und man kommt ins Gespräch.
Eigentlich ist unser Ziel der Campingplatz von Bruneck, aber nachdem wir die Lage und Größe des Platzes betrachtet haben, entschließen wir uns kurzerhand, einen anderen Platz anzusteuern. Mir ist heute ein wenig nach Komfort, vielleicht auch noch nach einem Pool oder so. Dieses können wir in Toblach bzw. in Niederdorf haben. Gut, dann nehmen wir eben mal wieder den Zug in Anspruch und schenken uns die letzten Kilometer des Pustertal-Radweges.
So gelangen wir per Bahn nach Toblach (13,20 Euro), fahren zurück Richtung Niederdorf und quartieren uns für die nächsten Tage auf dem Camping Olympia ein.
Der Platz ist ziemlich groß, gut besucht von Italienern und Niederländern. Radwanderer sehen wir nicht, man steht hier mit Wohnwagen oder Wohnmobil. Wir dürfen uns ein kleines Fleckchen im Schatten hoher Bäume aussuchen, das wohl normalerweise gar nicht als Stellplatz vorgesehen ist. Aber für uns ist es perfekt. Wir haben fast den ganzen Tag Schatten, man kann genug sehen und hat genug, aber nicht zu viel Leben drumherum. Ein Platz nach unserem Geschmack.
Außerdem gibt es einen kleinen Laden auf dem Platz, die Sanitärs sind top, die Luft ist angenehm. Trotz der Höhe von ca. 1200 m wird es tagsüber noch richtig heiß, aber nachts kühlt es angenehm ab.

Der untere Teil des Pustertales hat uns landschaftlich nicht so vom Hocker gerissen, aber der obere Teil, in dem wir nun sind, ist traumhaft. Man sieht die Dolomiten und hat eine tolle Kulisse.

 

Im Eisack- und Pustertal 3. Ruhetag mit Kurzbesuch in Toblach
            
 

Heute frühstücken wir wieder einmal in Ruhe. Danach geht es über einen Radweg nach Toblach, ca. 3km. Dort finden wir einen Supermarkt, eine prunkvolle Kirche, einen netten Ort und ein Tourist Office. Wir versorgen uns mit Informationen über die Bahn- und Busverbindungen, die wir in den nächsten Tagen nutzen wollen.
Ansonsten liegen wir den Rest des Tages im Schatten auf unserem Platz herum, dösen oder lesen.

Gegenüber steht ein nettes italienisches Paar aus Venedig: Stella und Lorris.  Die haben einen Narren an uns gefressen und versorgen uns mit Espresso und Pfefferminz-Grappa und verwickeln uns immer wieder in Gespräche. Auf Italienisch! Macht Spaß, ist auber auch anstrengend, wenn man Hände ringend nach Worten sucht!

 

Im Eisack- und Pustertal 4. Toblach - Lienz - Toblach (61 km, Rückfahrt mit Zug)
               
                 
 

Der Ruhetag hat uns gut getan und wir wollen noch die zwei "Rosinen", die man von hier aus unternehmen kann, mitnehmen.
Wir hatten ja sowieso ins Auge gefasst, von hier aus den Drau-Radweg zu fahren. allerdings kennen wir den schon, so dass wir darauf am ehesten verzichten können. Nur, dass wir damals in Lienz angefangen hatten. Uns "fehlt" also noch das Stück von Toblach bis Lienz! Wie praktisch! Das nehmen wir noch mit! Gut so!
Die möglichen Rückfahrzeiten für den Zug haben wir uns gestern in Toblach geholt. Wir stehen
früh auf, die "Tagestasche" ist schon gepackt. Um 7.30 Uhr geht es los. In Toblach wird noch Brot gekauft und dann kommen die 54 km nach Lienz. Es ist eine traumhafte Strecke! Wirklich immer bergab! Wir können es gar nicht fassen! Es gibt im bikeline-Führer ein paar Steigungspfeile, die mir etwas Angst gemacht hatten, aber das sind lächerliche Hügelchen, die hätte ich nicht als Steigung empfunden. Also wirklich: nur bergab! Asphaltiert, tolles Panorama, schattig, angenehme Morgenluft! Nach drei Stunden erreichen wir bereits Lienz!
Allerdings möchte ich nicht an einem "ausflugsträchtigen" Tag dort fahren. Den Hinweisen entlang der Strecke zu urteilen müssen dann richtige Menschenmassen unterwegs sein: "Vorsicht! Abstand halten!" "Rechts bleiben!" usw. Und dann gibt es ca. 6 Notrufsäulen an der Strecke! Wenn man dann in Lienz ankommt, wird man von einem die Straße überspannenden Banner begrüßt: "Willkommen! Benvenuti! Arrivati!" und es gibt einen Infostand für Deutsche und Italiener und Kiosk etc. dort. Das ist schon eine gigantische Touristen-Maschinerie! Aber das hat man heute zum Glück nicht so mitbekommen, dafür waren wir wohl zu früh unterwegs.
Um 13.13 Uhr nehmen wir den Zug zurück nach Innichen. Es ist ein spezieller Radzug mit zwei Güterwaggons nur für Fahrräder!. Das Ausladen der Räder in Innichen gestaltet sich etwas schwierig, weil jeder nur auf sein Rad wartet und den Weg versperrt, statt alle Räder erst mal in Empfang zu nehmen und unten hinzustellen!

Kosten: Lienz - Innichen: 16,60 Euro komplett/Freizeitkarte  -  Innichen - Toblach 10, 40 Euro

Der Rest des Tages gehört wieder dem Relaxen. Abends "spielen" wir "Koch-Duell". Wir sind zu faul, noch einmal nach Toblach zum Supermarkt zu fahren und müssen mit dem Angebot des Camping-Ladens vorlieb nehmen und daraus ein Menu basteln. Wir kaufen also tiefgekühlte Speckknödel, tiefgekühltes mediterranes Gemüse und zwei Meraner Würstchen. Man glaubt es kaum, es wird ein köstliches Mahl! Dazu kredenzen wir uns einen Südtiroler Grauvernatsch!

 

Im Eisack- und Pustertal 5.Toblach -Cortina d'Ampezzo - Toblach (38 km, Rückfahrt mit Bus)
               
                 
                 
                
 

Diese Strecke hat mich schon lange gereizt. Sie war einer der Gründe, warum wir die Alpen als Urlaubsziel gewählt haben. Ich habe im Vorfeld soviel darüber gelesen und schließlich gab es dazu noch einen Artikel in der TrekkingBike.
Also, same procedure as yesterday: Tagestasche ist gepackt, wir stehen früh auf, decken uns noch in Toblach mit Proviant ein und los geht es!
Der erste Höhepunkt ist der Toblacher See am Morgen! Stille, glasklares Wasser, die Berge um den See herum! Traumhaft. Weiter geht es auf der alten Bahntrasse, die sich als Schotterweg leicht ansteigend durch die imposanten Dolomiten schlängelt. Es folgen der Blick auf die Drei Zinnen, auf den Monte Cristallo und der Dürrensee. Hier verlieren wir für eine kurze Strecke den Radweg, geraten in ausgetrocknete Bachläufe mit felsbrockartigem Geröll. Deswegen nehmen wir für 3-4 km die Straße, was nicht mehr ganz so lustig ist. Doch an der höchsten Stelle, Cimabanche (1530m),  finden wir den Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse wieder. Nach 20 km leichtem Bergauffahren rollen wir nun 15 km hinunter nach Cortina. Es geht durch zwei ehemalige Eisenbahntunnel und über imposante Brücken. Immer wieder eröffnet sich das tolle Panorama der Dolomiten. Auch die "Einfahrt" in den Talkessel von Cortina ist beeindruckend! Es gibt alle möglichen Arten von Bergen: schroffe Felswände und sanftere hügelige Wiesenhänge.
Diese Strecke hat sich absolut gelohnt! Irgendwann einmal möchte ich auf dieser Strecke weiter Richtung Venedig fahren!
In Cortina müssen wir natürlich ein Eis essen, wo doch jedes zweite Eiscafé so heißt!
Wir nehmen den Bus um 12.55 Uhr und fahren zurück nach Toblach. Die Räder werden unten im Gepäckraum verstaut. (Kosten: 16 Euro komplett)
Von Toblach rollen wir dann auf dem bekannten Weg nach Hause zu unserem Campingplatz.
Übernachtung: Camping Olympia, Toblach/Niederdorf, pro Nacht 22 Euro.

 

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